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68 – Versuchung   1 comment

Sie musste alle Kraft zusammennehmen. Allein, der Versuchung zu widerstehen, nur für einen Wimpernschlag die Augen zu öffnen oder wenigstens genauer hinzuhören, erforderte einen großen Teil ihres Willens. Wie Meeresrauschen drang der Gesang der Angreifer an ihr Ohr, ausgeblendet, nur im Hintergrund, und doch so nah und bedrohlich, dass sie jeden Moment damit rechnete, von einem Speer durchbohrt zu werden. Aber so sehr der Instinkt Mona drängte, so genau wusste sie, dass sie keine andere Chance hatte, ihr Leben und das ihrer beiden Begleiter zu retten. Ja, wahrscheinlich war es längst zu spät. Sie hatte sich überschätzt. Oder Tsieg unterschätzt. Warum wehrte er sich so? Wenn er sich nicht jetzt sofort ihrem Willen unterwarf, war alles verloren. Sie spürte bereits, wie er erwachte, fühlte seine unbändige Kraft, doch noch hatte er sich nicht erhoben. Die Zeit lief ihr …

Ein Schrei! Direkt neben ihr!

 

53 – Verlust und Gewinn   5 comments

Tom schaute zu Lisa. Das Energiebündel, das er eben noch kaum hatte zurückhalten können, keinen Mord zu begehen, saß jetzt in sich zusammengesunken in einem dunklen Winkel der Höhle. Nie zuvor hatte Tom ein Bild solcher Hoffnungslosigkeit gesehen.

Er schüttelte sich und wandte sich Mona zu. „Nur, um das noch einmal zusammenzufassen: Um wieder in unsere Welt zu kommen, brauchen wir die Kräfte von Tsieg und Nomad.“
Die Kopfbewegung Monas sollte wohl Zustimmung bedeuten.
„Und Nomad ist in Besitz vom Geisterorden, genauer gesagt von Boss.“
Wieder ein leichtes Nicken.
„Wir müssen also darauf hoffen, dass sie uns folgt und hier wieder mit uns zusammentrifft?“ Diesmal wartete er Monas Reaktion nicht ab. „Was haben wir damit gewonnen, außer einen Ort, an dem keiner von uns sein will und der uns zum lebenslangen Gefängnis werden kann?“
„Zeit.“

52 – Kurz angebunden   Leave a comment

Lisa stand kurz vor der Explosion. Tom griff nach ihrer Hand. Sie schnaubte, riss sich los und begann, auf und ab zu marschieren.
Er wandte sich an Mona. „Also, wo sind wir?“
„Redna.“
„Nie gehört.“
„Das wundert mich nicht.“
„Geht es vielleicht etwas ausführlicher?“, schrie Lisa dazwischen.
„Redna ist der Name für eine Parallelwelt.“
„Was erzählt die da für eine Scheiße?“
„Ich muss Lisa recht geben, das klingt ziemlich verrückt.“
„Findest du?“, fragte Mona schnippisch. „Und wie du hierhergekommen bist, ist für dich ganz normal?“
„Wie sind wir hierhergekommen?“
„Tsieg hat uns gebracht.“
„So, so!“ Lisa stand mit drei Schritten Mona direkt gegenüber. Tom konnte sie nicht mehr zurückhalten. Überraschenderweise blieb Mona ganz ruhig.
„Du glaubst auch, du kannst mich verarschen!“ Lisa war zur Furie geworden. „Hör zu! Mir ist scheißegal, wie du uns hergebracht hast! Genauso egal ist mir, wo wir hier sind! Aber jetzt sorgst du dafür, dass wir wieder nach Hause kommen!“
„Du solltest froh sein, dass du noch lebst.“
„Leck mich! Ich will nach Hause!“
Mona wandte sich ab, als ginge sie das alles nichts an. „Das geht nicht.“
„Wie bitte?“
„Tsieg allein kann uns nicht zurückbringen.“

51 – Pantoffelheld   Leave a comment

„Sie sind weg, Boss!“
Noch immer verspürte Karl ein wenig Groll, wenn einer seiner Jungs ihn fast schon ignorierte, sobald seine Frau anwesend war. Aber er konnte nichts dagegen unternehmen. Er war nur so lange der Chef, solange Brigitte nicht in der Nähe war. Einer der führenden Köpfe des Ordens und doch nur ein Pantoffelheld.
„Sie hat Tsieg benutzt!“, erklärte sie jetzt.
„Was sollen wir tun?“ Claudia ersparte es ihm, selbst nachzufragen.
„Wir werden Nomad benutzen!“
Brigittes Stimme ließ in keinster Weise einen Widerspruch zu. Dennoch konnte er sich nicht zurückhalten. „Bist du … Wenn wir keinen Erfolg haben, kommen wir nie mehr zurück!“
Er duckte sich, doch Brigitte blieb ganz ruhig. „Dann müssen wir eben Erfolg haben!“

50 – Hand in Hand   Leave a comment

„Runter!“, schrie Mona und warf sich hinter den Tisch.
Tom zog Lisa mit sich. Noch im Fallen bemerkte er, wie Mona Tsieg schnappte und in ihrer Jacke verschwinden ließ. „Sie haben Verstärkung bekommen“, flüsterte er ihr zu.
Mona nickte und kontrollierte ihre Waffe.
„Haben wir euch!“ Die Stimme von Boss.
Die Bäckersfrau kreischte. Ein Schuss fiel. Das Kreischen hörte auf. Dumpf schlug der Körper auf den Fußboden. Jetzt schrie Lisa. Tom hielt ihr die Hand vor den Mund.
„Ihr habt keine Chance! Gebt das Artefakt heraus und ihr seid uns los!“
Mona stieß ihn an. Sie hielt den Finger vor den Mund. Dann streckte sie ihre Hand aus. Was sollte das? Das passte gar nicht zu ihr. Er zögerte. Energisch wiederholte sie die Geste. Er gab ihr die Rechte, hielt mit der anderen weiter Lisa umklammert.
„Wirf die Waffe weg! Dann kommt ihr alle mit erhobenen Händen raus! Sonst holen wir euch!“
Tom sah es jetzt erst: Mona hielt Tsieg in der freien Hand. Sie streichelte die Figur mit dem Daumen. Und sie murmelte irgendetwas. Ihr Griff wurde fester, als wolle sie um jeden Preis verhindern, dass Tom sie losließ. Was war mit ihr? Angst konnte es nicht sein. Nicht bei Mona. Auch wirkte sie vollkommen ruhig, beinahe weggetreten. Ihre andere Hand schimmerte. Nein, nicht die Hand – Tsieg! Wie war das möglich? Eine Holzfigur! Sie schimmerte. Flimmerte. Nicht nur Tsieg, alles um ihn herum. Sterne tanzten. Immer schneller, immer wilder, bis einer nach dem anderen erlosch. Dann war es dunkel!

49 – Drehen und wenden   Leave a comment

Mona sonderte ihre Ungeduld aus allen Poren ab. Selbst Lisa musste sie bemerken. Doch sie schien die Agentin immer noch zu unterschätzen. Stoisch umklammerte sie die blöde Holzfigur. Tom hatte den Unterton in Monas Stimme nicht überhört, als sie „Okay“ sagte. Das war kein Einlenken gewesen. Schützend stellte er sich vor Lisa.
„Geh mir aus dem Weg!“, zischte Mona.
„Sag ihr, worum es geht, dann gibt sie dir das Ding.“
Lisa stand auf, stellte sich neben ihn. Den Blick, mit dem sie ihre Gegnerin anschaute, kannte er. Er hätte an Monas Stelle den Schwanz eingezogen.
„Keine Zeit“, antwortete die nur und zog ihre Waffe. „Stell die Figur auf den Tisch!“
Lisas Kampfesmut war gebrochen. Sie warf das Objekt der Begierde auf den Tisch. Tsieg drehte sich einen Moment und blieb dann liegen. Unscheinbar und hässlich wie er eben war.
Mona ließ sie nicht aus den Augen. Sicherlich eine übertriebene Vorsicht. Routine vielleicht. Langsam näherte sie sich der Figur.
Die Tür der Bäckerei wurde aufgestoßen. Tom erkannte Boss sofort.

47 – Verhandlung um den Weltfrieden   Leave a comment

Mona nahm einen Schluck von dem Kaffee. Sie war mit ihrer Geduld am Ende. Als Tom sein Handy endlich zur Seite legte, flüsterte sie ihm zu: „Deine Ex muss Tsieg herausgeben!“
„Sag es ihr selbst!“, flüsterte Tom zurück und biss in sein Brötchen.
Mona ballte die Faust. Sie versuchte sich zu beruhigen. Die kleine Cafeteria war an eine Bäckerei angeschlossen. Zwar waren sie die einzigen Gäste, die einen der wenigen Tische besetzten, doch ständig kamen Kunden herein, um sich bei der molligen Verkäuferin mit Brötchen zu versorgen. Wollte Mona nicht auffallen, musste sie sich auf eine wahrscheinlich langwierige Diskussion einlassen. Damit aber sollte sie so früh wie möglich beginnen.

Sie berührte Lisa, die noch immer mit irgendeiner Doreen von ihrer Arbeitsstelle quatschte, am Arm. Lisa reagierte verärgert und bedeutete Mona, sie möge gefälligst warten. Sie war Verkäuferin in einem Supermarkt und tat gerade so, als würde sie über den Weltfrieden verhandeln. Mit einer schnellen Bewegung entwand Mona ihr das Handy und unterbrach die Verbindung.
„Was soll das?“ Noch zeigte Lisas Gesichtsausdruck Überraschung, doch die verwandelte sich zunehmend in Wut.
„Geben Sie mir Tsieg, dann können Sie telefonieren, so viel Sie wollen.“
„Ich denke gar nicht daran! Er gehört mir! Tom hat ihn mir geschenkt.“
„Glauben Sie mir, Sie werden ihn sowieso nicht behalten. Besser, Sie geben ihn mir freiwillig. Die anderen fragen nicht so höflich, wie Sie bemerkt haben dürften.“
Lisa wurde blass. Endlich schien Sie vernünftig zu werden. Zögerlich begann sie einzulenken: „Gut, vielleicht gebe ich ihn Ihnen. Aber nur, wenn Sie mir eine Erklärung liefern, was hier eigentlich los ist. Warum sind alle so scharf auf Tsieg?“
„Das wollen Sie nicht wissen!“
„Doch! Also?“
„Okay.“ Mona seufzte.