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69 – Ein blauer Blitz   1 comment

Der Gesang seines Gegners wandelte sich in einen Schrei. Im gleichen Moment stieß der Krieger zu. Die Speerspitze wurde zu einem blauen Blitz, dem Tom erst im letzten Moment ausweichen konnte. Allerdings streifte die Waffe seinen Oberarm, zerfetzte den Stoff und hinterließ einen Schnitt, der sich sofort mit Blut füllte.

Nun verließ Tom auch der letzte Rest an Hoffnung. Sicher, er war seinem Gegner körperlich um ein Vielfaches überlegen. Das glich dieser aber problemlos durch Schnelligkeit und Geschick aus. Verzweifelt versuchte Tom, hinter den Jungen zu gelangen, womit er aber kläglich scheiterte. Auch wurde ihm bewusst, dass er auf diese Weise zwischen seine Feinde geriet, und er machte seinen Schritt schnell wieder rückgängig.

Erneut kam die Speerspitze auf ihn zugeschossen, während er noch dabei war, sich wieder in eine halbwegs gute Verteidigungsposition zu bringen. Aus einem Reflex heraus schlug er nach dem funkelnden Stein und bekam ihn seitlich zu fassen. Die Schneide ratschte ihm über die Handfläche. Der Schmerz war unerträglich. Dennoch packte er zu, als er das Holz des Speerschafts spürte. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass er brüllte. Wie am Spieß!, dachte er und wusste nicht, ob er noch schrie oder schon lachte.

Sein schmächtiges Gegenüber jedenfalls hatte er mit dem Schlag ins Wanken gebracht. Mit aller Kraft zog Tom an dem Speer, und der Junge fiel ihm genau vor die Füße. Sein nächster Schlag traf den Gegner an der Schläfe. Für mehr hatte er keine Zeit. Etwas traf mit voller Wucht die verletzte Hand, sodass er die unter Schmerzen eroberte Waffe nicht mehr halten konnte. Sie fiel zu Boden, und sein einziger Gedanke war: Ich muss sie wiederhaben!

52 – Kurz angebunden   Leave a comment

Lisa stand kurz vor der Explosion. Tom griff nach ihrer Hand. Sie schnaubte, riss sich los und begann, auf und ab zu marschieren.
Er wandte sich an Mona. „Also, wo sind wir?“
„Redna.“
„Nie gehört.“
„Das wundert mich nicht.“
„Geht es vielleicht etwas ausführlicher?“, schrie Lisa dazwischen.
„Redna ist der Name für eine Parallelwelt.“
„Was erzählt die da für eine Scheiße?“
„Ich muss Lisa recht geben, das klingt ziemlich verrückt.“
„Findest du?“, fragte Mona schnippisch. „Und wie du hierhergekommen bist, ist für dich ganz normal?“
„Wie sind wir hierhergekommen?“
„Tsieg hat uns gebracht.“
„So, so!“ Lisa stand mit drei Schritten Mona direkt gegenüber. Tom konnte sie nicht mehr zurückhalten. Überraschenderweise blieb Mona ganz ruhig.
„Du glaubst auch, du kannst mich verarschen!“ Lisa war zur Furie geworden. „Hör zu! Mir ist scheißegal, wie du uns hergebracht hast! Genauso egal ist mir, wo wir hier sind! Aber jetzt sorgst du dafür, dass wir wieder nach Hause kommen!“
„Du solltest froh sein, dass du noch lebst.“
„Leck mich! Ich will nach Hause!“
Mona wandte sich ab, als ginge sie das alles nichts an. „Das geht nicht.“
„Wie bitte?“
„Tsieg allein kann uns nicht zurückbringen.“

45 – Ein böser Streich   Leave a comment

Lisa war diese Frau unheimlich. Sie wirkte so emotionslos. Ganz anders als alle Frauen, die sie kannte. Und sie schien es auf ihren Tsieg abgesehen zu haben. Tom versicherte ihr allerdings, dass man ihr vertrauen könne. Und im Moment blieb ihr wohl ohnehin keine andere Wahl.

Jetzt kam die Frau aus dem Badezimmer zurück, schüttelte kurz den Kopf und lauschte an der Wohnungstür. Dann zog sie sie langsam auf und lugte, die Waffe im Anschlag, ins Treppenhaus. Lisa konnte leise Schritte von mehreren Personen hören, die die Treppe heraufstiegen. Die Frau – Lisa meinte sich zu erinnern, dass Tom sie Mona genannt hatte – machte die Tür weiter auf, winkte ihnen, den Zeigefinger an die Lippen gepresst. Als sie die Wohnung verlassen und die Tür nahezu lautlos wieder geschlossen hatten, zeigte Mona nach oben. Tom zog Lisa hinter sich her die Stufen hinauf. Auf einen Wink von Mona blieben sie eine Etage weiter oben stehen.

Lisa drängte es, ihre Verwirrung herauszuschreien. Noch immer war ihr nicht klar, was hier für ein Spiel gespielt wurde. War es vielleicht wirklich ein Spiel? Ein böser Streich von Tom? Sie war sich nicht sicher, ob sie ihm das zutrauen wollte. Er hatte sie doch die ganze Zeit in Ruhe gelassen. Und rachsüchtig war er noch nie gewesen. Andererseits hatte er oft vollkommen verrückte Ideen gehabt. Und er war auch nicht gerade jemand, der sich dabei ernsthaft Gedanken um mögliche Konsequenzen machte.

Sie betrachtete ihren Exfreund. Er wirkte angespannt. Seine Stirn war schweißfeucht. Die Hand, mit der er die ihre umklammert hielt, zitterte. Ein Schauer packte sie und ließ sie nicht mehr los.