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69 – Ein blauer Blitz   1 comment

Der Gesang seines Gegners wandelte sich in einen Schrei. Im gleichen Moment stieß der Krieger zu. Die Speerspitze wurde zu einem blauen Blitz, dem Tom erst im letzten Moment ausweichen konnte. Allerdings streifte die Waffe seinen Oberarm, zerfetzte den Stoff und hinterließ einen Schnitt, der sich sofort mit Blut füllte.

Nun verließ Tom auch der letzte Rest an Hoffnung. Sicher, er war seinem Gegner körperlich um ein Vielfaches überlegen. Das glich dieser aber problemlos durch Schnelligkeit und Geschick aus. Verzweifelt versuchte Tom, hinter den Jungen zu gelangen, womit er aber kläglich scheiterte. Auch wurde ihm bewusst, dass er auf diese Weise zwischen seine Feinde geriet, und er machte seinen Schritt schnell wieder rückgängig.

Erneut kam die Speerspitze auf ihn zugeschossen, während er noch dabei war, sich wieder in eine halbwegs gute Verteidigungsposition zu bringen. Aus einem Reflex heraus schlug er nach dem funkelnden Stein und bekam ihn seitlich zu fassen. Die Schneide ratschte ihm über die Handfläche. Der Schmerz war unerträglich. Dennoch packte er zu, als er das Holz des Speerschafts spürte. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass er brüllte. Wie am Spieß!, dachte er und wusste nicht, ob er noch schrie oder schon lachte.

Sein schmächtiges Gegenüber jedenfalls hatte er mit dem Schlag ins Wanken gebracht. Mit aller Kraft zog Tom an dem Speer, und der Junge fiel ihm genau vor die Füße. Sein nächster Schlag traf den Gegner an der Schläfe. Für mehr hatte er keine Zeit. Etwas traf mit voller Wucht die verletzte Hand, sodass er die unter Schmerzen eroberte Waffe nicht mehr halten konnte. Sie fiel zu Boden, und sein einziger Gedanke war: Ich muss sie wiederhaben!

21 – Ende der Nacht   2 comments

Lisa hatte kaum geschlafen. Dennoch lag sie schon wieder wach und schaute aus dem Fenster, wo sich die Nacht noch nicht vertreiben lassen wollte. Lächelnd schaute sie zu Lars. Er sah zufrieden aus, wie ein kleines Kind, das sich von den Eltern beschützt weiß. Und er hörte sich zufrieden an. Dabei klang sein Schnarchen in ihren Ohren eher niedlich als aufdringlich.
Das war sie also gewesen, die erste Nacht mit dem Mann, der sie endlich wieder aus der Einsamkeit gerissen hatte. Nach der Trennung von Tom, hatte sie lange geglaubt, keine neue Beziehung mehr eingehen zu können. Doch Lars belehrte sie jeden Tag, seit sie sich kennengelernt hatten, eines Besseren. Und mit jedem Tag füllte sich ihr Leben mit neuer Freude und die Hoffnung wuchs, es könne wieder eine Zukunft mit einem Mann an ihrer Seite geben.
Sie drehte sich zu Lars und streichelte sanft seinen kräftigen Nacken. „Morgen werde ich den letzten Gegenstand entsorgen, der mich an Tom erinnert“, flüsterte sie.
Es polterte an der Wohnungstür.

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