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62 – Die Göttin   1 comment

Karl schaute zu Brigitte auf. Der Eindruck, den sie auf ihn machte, übertraf noch den, als er sie das erste Mal erblickt hatte. Stark, selbstbewusst und schön. Nun umwehte sie noch eine Aura der Macht. Wie eine Göttin sah sie aus. Es war nicht auszumachen, welchen Anteil daran die Holzfigur hatte, die sie in den Händen hielt, die Arme nahezu im rechten Winkel vorgestreckt. Sie schien mit Nomad zu verschmelzen, das Leuchten des Artefakts auf sie überzugehen. Die Anhöhe, auf der sie stand, befand sich in der Mitte des Dorfplatzes, die Bewohner bildeten in ehrfurchtsvollem Abstand einen Kreis um ihre neue Führerin. Er erinnerte sich an dieses Bild. Er hatte es in den Schriftrollen gesehen.

58 – Funktionieren   Leave a comment

Karl hatte all die unguten Gedanken beiseite gewischt. Sie waren hier. Nun gab es kein Zurück mehr. Er musste seinen Jungs mit gutem Beispiel vorangehen. Jammern brachte sie nicht weiter. Es galt, das Beste aus ihrer Lage herauszuholen. Brigitte erkannte seine wiedererwachte Entschlossenheit. Sie erwiderte seinen Blick und nickte ihm zu.
Ermuntert durch diese Geste sagte er: „Wir sollten das Dorf bald erreichen.“
„Hoffentlich! Ich komme mir fast nackt vor, so vollkommen unbewaffnet.“
Schön wär’s! „Ich auch“, sagte er nur.

57 – Abenteuer   Leave a comment

Tom hatte erstaunlich gut geschlafen. Kurz, aber gut. Selbst in den Nächten war es hier recht warm zu dieser Jahreszeit, welche auch immer das sein mochte. Er schaute auf seine Armbanduhr. Richtig. Da war keine mehr. Er konnte sich einfach nicht daran gewöhnen. Seit sie hier angekommen waren, trug er nur noch seine Kleidung. Keine Uhr, keine Brieftasche, kein Handy. Beinahe ein Wunder, dass sie nicht splitterfasernackt in Redna erwacht waren. Er grinste. Er hätte Lisa gern mal wieder nackt gesehen. Und Mona? Ihr Anblick hätte ihn noch mehr interessiert. Vielleicht auch spärlich mit steinzeitlichen Fellen behängt.

Er warf einen Blick in die Höhle. Die beiden Frauen schliefen so weit voneinander entfernt, wie es der kleine Raum zuließ. Lisa in unruhigen Träumen, Mona, seit er die Wache von ihr übernommen hatte, tief und fest. Er musste sich eingestehen, dass ihm dieses Abenteuer inzwischen weit weniger missfiel als seiner Ex. Das lag keineswegs an seinen beiden Begleiterinnen. Nicht ausschließlich jedenfalls. Jetzt, da sie sich durch die Wildnis Rednas schlugen, erinnerte es ihn an seine Jugend auf dem Land. Mit seinen Freunden hatte er die wildesten Quests in den Wäldern rund um das Dorf bestanden. In ihrer Fantasie war die Landschaft damals ebenso urwüchsig gewesen, wie sich ihm heute Redna präsentierte. Es war als …

Hatte er da gerade ein Geräusch gehört? Angestrengt schaute er in die Büsche, die den schmalen Weg vor der Höhle säumten und im Morgengrauen wie knorrige Gestalten wirkten. Sicher nur ein Tier. Jetzt jedenfalls hörte er nichts mehr. Dennoch fröstelte ihn jetzt.